Pos. 45
Harlekin, um 1716
H 120 mm
Steinzeug, Kaltbemalung, Spuren von Goldbronze
Inv.-Nr. V.92
Kuratiert von Sofia Simeth, wissenschaftliche Volontärin am Museum Angewandte Kunst
Bitte nicht berühren.
Der Begriff „Narrenfreiheit“ beschreibt eine besondere Form von Freiheit: die Möglichkeit, Dinge jenseits gesellschaftlicher Normen zu sagen und zu tun, ohne dafür bestraft zu werden – geschützt durch den Rahmen des Humors.
Historisch lässt sich diese Idee bis zu den Hofnarren des Mittelalters zurückverfolgen. Als Außenseiter standen sie außerhalb der gesellschaftlichen Ordnung. Gerade weil sie nicht vollständig ernst genommen wurden, konnten sie Wahrheiten aussprechen, die anderen verwehrt blieben. Humor wurde zu einem Mittel des Tabubruchs und der geduldeten Kritik.
Eine ähnliche Dynamik zeigt sich in der Figur des Harlekins aus der „Commedia dell’arte“, einer Theaterform des 16. Jahrhunderts. Innerhalb eines festen Repertoires an Figuren konnten Schauspieler*innen frei improvisieren. Masken und überzeichnete Gesten dienten dabei nicht dem Verbergen, sondern dem Offenlegen gesellschaftlicher Widersprüche.
Humor ist damit mehr als Unterhaltung. Er schafft Nähe und Distanz zugleich, macht Widersprüche sichtbar und eröffnet Räume für Kritik. Narrenfreiheit wird so zu einem Mittel, scheinbar feste Ordnungen spielerisch zu hinterfragen und Veränderungen anzustoßen.
Die kleine Figur aus Steinzeug zeigt einen Harlekin und wurde um 1716 in Plaue an der Havel gefertigt. In einer leicht geneigten, beinahe tänzerischen Haltung dargestellt, verbindet sie Verspieltheit mit Nachdenklichkeit. Das charakteristische Kostüm verweist auf die Tradition der Commedia dell’arte, während der Ausdruck eine vielschichtige Rolle zwischen Unterhaltung und Beobachtung andeutet.
Pos. 45
Harlekin, um 1716
H 120 mm
Steinzeug, Kaltbemalung, Spuren von Goldbronze
Inv.-Nr. V.92
Kuratiert von Sofia Simeth, wissenschaftliche Volontärin am Museum Angewandte Kunst
Bitte nicht berühren.
Der Begriff „Narrenfreiheit“ beschreibt eine besondere Form von Freiheit: die Möglichkeit, Dinge jenseits gesellschaftlicher Normen zu sagen und zu tun, ohne dafür bestraft zu werden – geschützt durch den Rahmen des Humors.
Historisch lässt sich diese Idee bis zu den Hofnarren des Mittelalters zurückverfolgen. Als Außenseiter standen sie außerhalb der gesellschaftlichen Ordnung. Gerade weil sie nicht vollständig ernst genommen wurden, konnten sie Wahrheiten aussprechen, die anderen verwehrt blieben. Humor wurde zu einem Mittel des Tabubruchs und der geduldeten Kritik.
Eine ähnliche Dynamik zeigt sich in der Figur des Harlekins aus der „Commedia dell’arte“, einer Theaterform des 16. Jahrhunderts. Innerhalb eines festen Repertoires an Figuren konnten Schauspieler*innen frei improvisieren. Masken und überzeichnete Gesten dienten dabei nicht dem Verbergen, sondern dem Offenlegen gesellschaftlicher Widersprüche.
Humor ist damit mehr als Unterhaltung. Er schafft Nähe und Distanz zugleich, macht Widersprüche sichtbar und eröffnet Räume für Kritik. Narrenfreiheit wird so zu einem Mittel, scheinbar feste Ordnungen spielerisch zu hinterfragen und Veränderungen anzustoßen.
Die kleine Figur aus Steinzeug zeigt einen Harlekin und wurde um 1716 in Plaue an der Havel gefertigt. In einer leicht geneigten, beinahe tänzerischen Haltung dargestellt, verbindet sie Verspieltheit mit Nachdenklichkeit. Das charakteristische Kostüm verweist auf die Tradition der Commedia dell’arte, während der Ausdruck eine vielschichtige Rolle zwischen Unterhaltung und Beobachtung andeutet.
All rights reserved 2026
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