Pos. 6
Semiotische Ergänzungen, Johanna Seelemann, 2026
Holz (Eiche, Esche), Mineralerze, Metallelemente
Bitte nicht berühren.
Die Arbeit setzt sich mit Gestaltung als ein in die Gesellschaft integriertes System auseinander, das dementsprechend in Verbindung und Verantwortung zu dieser steht.
Das modulare System USM Haller wird durch hölzerne Beine und eine Serie von sogenannten Charms (kleine spielerische Anhänger) aus Mineralien ergänzt. Diese Eingriffe verschieben das System von innen heraus: Sie greifen seine Logik auf, verändern sie aber zugleich und machen das produzierte Objekt als ein aus basalen Materialien bestehendes wahrnehmbar.
Im Zentrum steht dabei ein Verständnis von Freiheit, das nicht als völlige Unabhängigkeit gedacht wird, sondern als eine Praxis, die immer in Beziehungen verankert ist. Gestaltung erscheint hier nicht als Ausdruck eines autonomen, „freien“ Genies, sondern als Handlung innerhalb komplexer Zusammenhänge. Entscheidungen entstehen im Spannungsfeld zwischen Langlebigkeit und Erschwinglichkeit, zwischen ethischer Produktion und ökonomischer Effizienz, zwischen Offenheit der Nutzung und wirtschaftlicher Kalkulierbarkeit. Freiheit zeigt sich somit nicht im Fehlen von Einschränkungen, sondern im bewussten Umgang mit ihnen.
Die Erweiterung des Systems erfolgt über zwei Ebenen: Zum einen durch die hölzernen Beine, gefertigt aus gespaltenem Eichen- und Eschenholz. Das Material bleibt roh, der Herstellungsprozess sichtbar – die Spuren des Spaltens und Drehens sind Teil der Form. Zum anderen durch fünf „Charms“, die offene Stellen im System besetzen und gezielt die Leerstellen der ursprünglichen Systemverbindungen aufgreifen. Sie tragen Mineralerze, die auf die materiellen Grundlagen des Systems verweisen: Eisen, Kupfer, Zink und Chrom als zentrale Bestandteile industrieller Produktion.
Die Materialwahl erzeugt dabei eine bewusste Spannung. Während das verchromte System eine glatte, nahezu entmaterialisierte Oberfläche zeigt, die ihre Herkunft verschleiert, machen Holz und Erz ihre Entstehung sichtbar. Sie verweisen auf Ressourcen und globale Verflechtungen, die im fertigen Produkt meist unsichtbar bleiben. Das vermeintlich „zeitlose“ System wird so in einen materiellen und historischen Zusammenhang zurückgeführt.
In dieser Gegenüberstellung wird auch ein erweitertes Verständnis von Freiheit verhandelt: als Möglichkeit, bestehende Systeme nicht nur zu nutzen, sondern zu hinterfragen und umzuschreiben. Die vorgeschlagenen Elemente sind dabei nicht als fertige Produkte gedacht, sondern als Angebot – als Ansatz, das System offener lesbar zu machen.
Johanna Seelemann ist Designerin und arbeitet zwischen Reykjavík und Leipzig. Ihre internationale Praxis bewegt sich zwischen Produktdesign, räumlichen Installationen und strategischer Beratung. In ihrem Studio entstehen Projekte in Zusammenarbeit mit Institutionen, Marken und kulturellen Organisationen – von einzelnen Objekten über Ausstellungen bis hin zu langfristigen Designstrategien. Dabei verbindet sie konzeptionelle Klarheit mit einem sensiblen Umgang mit Material. Ihre Arbeiten wurden unter anderem im Design Museum London, im V&A und in der Villa Noailles gezeigt. Das Magazin Wallpaper zählt sie zu den kreativen Positionen, die die heutige Designpraxis maßgeblich erweitern. Zu den jüngsten Nominierungen gehören der Icelandic Design Award 2025, der Dutch Design Awards Emerging Talent Award 2025 sowie der Ralph Saltzman Prize 2025 am Design Museum London.
Pos. 6
Semiotische Ergänzungen, Johanna Seelemann, 2026
Holz (Eiche, Esche), Mineralerze, Metallelemente
Bitte nicht berühren.
Die Arbeit setzt sich mit Gestaltung als ein in die Gesellschaft integriertes System auseinander, das dementsprechend in Verbindung und Verantwortung zu dieser steht.
Das modulare System USM Haller wird durch hölzerne Beine und eine Serie von sogenannten Charms (kleine spielerische Anhänger) aus Mineralien ergänzt. Diese Eingriffe verschieben das System von innen heraus: Sie greifen seine Logik auf, verändern sie aber zugleich und machen das produzierte Objekt als ein aus basalen Materialien bestehendes wahrnehmbar.
Im Zentrum steht dabei ein Verständnis von Freiheit, das nicht als völlige Unabhängigkeit gedacht wird, sondern als eine Praxis, die immer in Beziehungen verankert ist. Gestaltung erscheint hier nicht als Ausdruck eines autonomen, „freien“ Genies, sondern als Handlung innerhalb komplexer Zusammenhänge. Entscheidungen entstehen im Spannungsfeld zwischen Langlebigkeit und Erschwinglichkeit, zwischen ethischer Produktion und ökonomischer Effizienz, zwischen Offenheit der Nutzung und wirtschaftlicher Kalkulierbarkeit. Freiheit zeigt sich somit nicht im Fehlen von Einschränkungen, sondern im bewussten Umgang mit ihnen.
Die Erweiterung des Systems erfolgt über zwei Ebenen: Zum einen durch die hölzernen Beine, gefertigt aus gespaltenem Eichen- und Eschenholz. Das Material bleibt roh, der Herstellungsprozess sichtbar – die Spuren des Spaltens und Drehens sind Teil der Form. Zum anderen durch fünf „Charms“, die offene Stellen im System besetzen und gezielt die Leerstellen der ursprünglichen Systemverbindungen aufgreifen. Sie tragen Mineralerze, die auf die materiellen Grundlagen des Systems verweisen: Eisen, Kupfer, Zink und Chrom als zentrale Bestandteile industrieller Produktion.
Die Materialwahl erzeugt dabei eine bewusste Spannung. Während das verchromte System eine glatte, nahezu entmaterialisierte Oberfläche zeigt, die ihre Herkunft verschleiert, machen Holz und Erz ihre Entstehung sichtbar. Sie verweisen auf Ressourcen und globale Verflechtungen, die im fertigen Produkt meist unsichtbar bleiben. Das vermeintlich „zeitlose“ System wird so in einen materiellen und historischen Zusammenhang zurückgeführt.
In dieser Gegenüberstellung wird auch ein erweitertes Verständnis von Freiheit verhandelt: als Möglichkeit, bestehende Systeme nicht nur zu nutzen, sondern zu hinterfragen und umzuschreiben. Die vorgeschlagenen Elemente sind dabei nicht als fertige Produkte gedacht, sondern als Angebot – als Ansatz, das System offener lesbar zu machen.
Johanna Seelemann ist Designerin und arbeitet zwischen Reykjavík und Leipzig. Ihre internationale Praxis bewegt sich zwischen Produktdesign, räumlichen Installationen und strategischer Beratung. In ihrem Studio entstehen Projekte in Zusammenarbeit mit Institutionen, Marken und kulturellen Organisationen – von einzelnen Objekten über Ausstellungen bis hin zu langfristigen Designstrategien. Dabei verbindet sie konzeptionelle Klarheit mit einem sensiblen Umgang mit Material. Ihre Arbeiten wurden unter anderem im Design Museum London, im V&A und in der Villa Noailles gezeigt. Das Magazin Wallpaper zählt sie zu den kreativen Positionen, die die heutige Designpraxis maßgeblich erweitern. Zu den jüngsten Nominierungen gehören der Icelandic Design Award 2025, der Dutch Design Awards Emerging Talent Award 2025 sowie der Ralph Saltzman Prize 2025 am Design Museum London.
All rights reserved 2026
All rights reserved 2026