Positionen zur Freiheit. Gestaltung und ihre Grenzen, ist eine interdisziplinäre Ausstellung und Publikation von the thing Fellowship, im Rahmen der World Design Capital Frankfurt RheinMain 2026 und ihres Leitthemas Design for Democracy. Atmospheres for a Better Life. Präsentiert im Museum Angewandte Kunst in Frankfurt am Main, vereint das Projekt (1) Auftragsarbeiten von drei eingeladenen Fellows, (2) einen internationalen Open Call sowie (3) eine Zusammenarbeit mit dem Museum, um Freiheit als vielschichtigen, umkämpften und kontextabhängigen Begriff zu untersuchen. Initiiert und unter der künstlerischen Leitung von Anton Rahlwes, wird die Fellowship in Partnerschaft mit USM und der Fondation USM realisiert und steht in engem Zusammenhang mit the thing Magazine.
Die Ausstellung läuft vom 14. Mai bis zum 28. Juni 2026.
Die Eröffnung findet am 13. Mai 2026 statt.
Adresse: Museum Angewandte Kunst Schaumainkai 17 60549 Frankfurt am Main
Freiheit ist einer der meistverwendeten und zugleich umstrittensten Begriffe unserer Zeit. Er ist fest verankert in Verfassungen, politischen Auseinandersetzungen, kulturellen Debatten und persönlichen Lebensentwürfen. Und doch entzieht sie sich einer eindeutigen, stabilen Definition. Historisch wie kulturell erscheint Freiheit nicht als universeller Zustand, sondern als vielschichtiger, relationaler Begriff, geprägt von Kontext, Machtverhältnissen und gelebter Erfahrung.
In westlichen Traditionen wurde Freiheit häufig als individuelles Recht verstanden: als politische Teilhabe in der Antike, als moralische Autonomie in der christlichen Philosophie, als rationale Selbstbestimmung in der Aufklärung oder als rechtlich garantierte Freiheit im demokratischen Rechtsstaat. Diese Vorstellungen prägen bis heute liberale Freiheitsbegriffe. Zugleich sind sie untrennbar verbunden mit Geschichten von Ausschluss, Hierarchisierung und ungleichem Zugang.
Jenseits dieser westlichen Genealogie existieren andere Konzepte von Freiheit. In relationalen Denktraditionen, etwa in indigenen Wissenssystemen oder spirituellen Philosophien, wird Freiheit nicht als Gegensatz zu Abhängigkeit oder Verpflichtung gedacht. Sie entsteht vielmehr in Beziehungen, in Verantwortung und Fürsorge. Freiheit kann hier Harmonie bedeuten statt Wahlmöglichkeit, Loslösung statt Selbstbehauptung, kollektive Praxis statt individueller Autonomie. Solche Perspektiven stellen die Annahme infrage, Freiheit müsse stets mit Unabhängigkeit, Selbstbestimmung oder grenzenlosen Möglichkeiten gleichgesetzt werden.
Zeitgenössische kritische Diskurse verschärfen diese Fragen weiter. Feministische, postkoloniale und queere Theorien zeigen, wie ungleich Freiheit verteilt ist und wie eng sie mit Privilegien, Normen und Zugängen verknüpft bleibt. Sie fragen nicht nur, was Freiheit ist, sondern für wen sie möglich wird und zu welchem Preis. Freiheit erscheint so weniger als Zustand denn als fortlaufende Aushandlung zwischen Handlungsfähigkeiten und Begrenzungen.
Gerade das Feld der Gestaltung und ästhetisches Schaffen im Allgemeinen, eröffnen einen besonderen Zugang zu dieser Komplexität. Entworfene Dinge, Objekte, Systeme, Materialien oder Bilder veranschaulichen Freiheit nicht nur, sie strukturieren und formen sie mit. Sie organisieren Verhalten, ermöglichen oder begrenzen Bewegungen, steuern Sichtbarkeit und definieren, was als möglich erscheint. Gestaltung kann Normen stabilisieren und Kontrolle ausüben, sie kann aber ebenso Räume für Ambivalenz, Widerstand, Spekulation und alternative Zukünfte eröffnen.
Positionen zur Freiheit. Gestaltung und ihre Grenzen versammelt unterschiedliche Zugänge zu diesem Themenfeld: neu entwickelte Arbeiten eingeladener Designer*innen, Beiträge aus einem internationalen Open Call, Objekte aus der Museumssammlung in neuen Kontexten, eine Publikation zur Erweiterung des Diskurses sowie eine Szenografie und visuelle Kommunikation, die diese Fragestellungen räumlich und gestalterisch übersetzen. Anstatt eine abschließende Definition zu formulieren, versteht die Ausstellung Freiheit als Spannungsfeld – zwischen Individuum und Kollektiv, Autonomie und Abhängigkeit, Möglichkeit und Begrenzung – und macht diese Spannungen durch gestaltete Dinge sichtbar.
Die Ausstellung gliedert sich in drei miteinander verbundene Teile:
1) In Zusammenarbeit mit USM entwickeln die eingeladenen und beauftragten Gestalter*innen Fatma Cankaya, Mawuto Dotou und Johanna Seelemann neue Arbeiten, die Freiheit untersuchen, indem sie ein industrielles Ordnungssystem als Ausgangspunkt neu interpretieren. Den Fellows wurde ein Budget sowie Material aus dem meistverkauften Regalsystem von USM zur Verfügung gestellt. Darüber hinaus erhielten sie Einblicke in die Produktionsstätten des Unternehmens. Innerhalb dieser Rahmenbedingungen sind sie frei, das Möbelsystem zu manipulieren, anzupassen, zu dekonstruieren oder anderweitig neu zu interpretieren – entsprechend ihrer jeweiligen Perspektiven, Werte und Lesarten.
2) Ein internationaler Open Call lädt Designer*innen, Architekt*innen, Künstler*innen, Marken sowie interdisziplinär arbeitende Praktiker*innen dazu ein, Arbeiten einzureichen, die Freiheit und Gestaltung aus transdisziplinären und angewandten Perspektiven reflektieren. Der Open Call wird von Anton Rahlwes gemeinsam mit der Designkritikerin und Kuratorin Vera Sacchetti kuratiert.
3) Ein sammlungsbezogenes Modul versammelt ausgewählte Objekte des Museums und stellt sie in neue Kontexte. So werden unterschiedliche Facetten von Freiheit als historisch, kulturell und institutionell geprägtes Konzept erfahrbar. Jede*r Sammlungsleiter*in des Museum Angewandte Kunst, sowie der Direktor und zwei kuratorische Volontär:innen, entwickeln jeweils eine bis zwei eigene kuratierte Position.
Darüber hinaus erweitert ein unabhängiger Reader, herausgegeben und publiziert von Anton Rahlwes und Nina Sieverding, den Diskurs um weitere schriftliche Beiträge zum Thema.
Die Ausstellungsszenografie verbindet die einzelnen Elemente durch einen übergreifenden konzeptionellen Rahmen, entwickelt und gestaltet von Anton Defant und Lotti Defant. Die visuelle Identität sowie die grafische Kommunikation des Projekts werden von Autostrada Studios verantwortet.
Zentral für den Ansatz des Fellowship ist die Überzeugung, dass Inhalt und Form seiner Vermittlung untrennbar miteinander verbunden sind. Ausstellungsgestaltung, Grafikdesign, Publikation, kuratorische Praxis und die gezeigten Positionen werden als gleichwertige Beiträge zur Bedeutungsproduktion verstanden. Klare Kommunikation, Transparenz und die sichtbare Autor*innenschaft aller Beteiligten sind daher integraler Bestandteil des Verständnisses und der Praxis von Zusammenarbeit, Wissensproduktion und öffentlichem Diskurs innerhalb des Fellowship.
Positionen zur Freiheit. Gestaltung und ihre Grenzen, ist eine interdisziplinäre Ausstellung und Publikation von the thing Fellowship, im Rahmen der World Design Capital Frankfurt RheinMain 2026 und ihres Leitthemas Design for Democracy. Atmospheres for a Better Life. Präsentiert im Museum Angewandte Kunst in Frankfurt am Main, vereint das Projekt (1) Auftragsarbeiten von drei eingeladenen Fellows, (2) einen internationalen Open Call sowie (3) eine Zusammenarbeit mit dem Museum, um Freiheit als vielschichtigen, umkämpften und kontextabhängigen Begriff zu untersuchen. Initiiert und unter der künstlerischen Leitung von Anton Rahlwes, wird die Fellowship in Partnerschaft mit USM und der Fondation USM realisiert und steht in engem Zusammenhang mit the thing Magazine.
Die Ausstellung läuft vom 14. Mai bis zum 28. Juni 2026.
Die Eröffnung findet am 13. Mai 2026 statt.
Adresse: Museum Angewandte Kunst Schaumainkai 17 60549 Frankfurt am Main
Freiheit ist einer der meistverwendeten und zugleich umstrittensten Begriffe unserer Zeit. Er ist fest verankert in Verfassungen, politischen Auseinandersetzungen, kulturellen Debatten und persönlichen Lebensentwürfen. Und doch entzieht sie sich einer eindeutigen, stabilen Definition. Historisch wie kulturell erscheint Freiheit nicht als universeller Zustand, sondern als vielschichtiger, relationaler Begriff, geprägt von Kontext, Machtverhältnissen und gelebter Erfahrung.
In westlichen Traditionen wurde Freiheit häufig als individuelles Recht verstanden: als politische Teilhabe in der Antike, als moralische Autonomie in der christlichen Philosophie, als rationale Selbstbestimmung in der Aufklärung oder als rechtlich garantierte Freiheit im demokratischen Rechtsstaat. Diese Vorstellungen prägen bis heute liberale Freiheitsbegriffe. Zugleich sind sie untrennbar verbunden mit Geschichten von Ausschluss, Hierarchisierung und ungleichem Zugang.
Jenseits dieser westlichen Genealogie existieren andere Konzepte von Freiheit. In relationalen Denktraditionen, etwa in indigenen Wissenssystemen oder spirituellen Philosophien, wird Freiheit nicht als Gegensatz zu Abhängigkeit oder Verpflichtung gedacht. Sie entsteht vielmehr in Beziehungen, in Verantwortung und Fürsorge. Freiheit kann hier Harmonie bedeuten statt Wahlmöglichkeit, Loslösung statt Selbstbehauptung, kollektive Praxis statt individueller Autonomie. Solche Perspektiven stellen die Annahme infrage, Freiheit müsse stets mit Unabhängigkeit, Selbstbestimmung oder grenzenlosen Möglichkeiten gleichgesetzt werden.
Zeitgenössische kritische Diskurse verschärfen diese Fragen weiter. Feministische, postkoloniale und queere Theorien zeigen, wie ungleich Freiheit verteilt ist und wie eng sie mit Privilegien, Normen und Zugängen verknüpft bleibt. Sie fragen nicht nur, was Freiheit ist, sondern für wen sie möglich wird und zu welchem Preis. Freiheit erscheint so weniger als Zustand denn als fortlaufende Aushandlung zwischen Handlungsfähigkeiten und Begrenzungen.
Gerade das Feld der Gestaltung und ästhetisches Schaffen im Allgemeinen, eröffnen einen besonderen Zugang zu dieser Komplexität. Entworfene Dinge, Objekte, Systeme, Materialien oder Bilder veranschaulichen Freiheit nicht nur, sie strukturieren und formen sie mit. Sie organisieren Verhalten, ermöglichen oder begrenzen Bewegungen, steuern Sichtbarkeit und definieren, was als möglich erscheint. Gestaltung kann Normen stabilisieren und Kontrolle ausüben, sie kann aber ebenso Räume für Ambivalenz, Widerstand, Spekulation und alternative Zukünfte eröffnen.
Positionen zur Freiheit. Gestaltung und ihre Grenzen versammelt unterschiedliche Zugänge zu diesem Themenfeld: neu entwickelte Arbeiten eingeladener Designer*innen, Beiträge aus einem internationalen Open Call, Objekte aus der Museumssammlung in neuen Kontexten, eine Publikation zur Erweiterung des Diskurses sowie eine Szenografie und visuelle Kommunikation, die diese Fragestellungen räumlich und gestalterisch übersetzen. Anstatt eine abschließende Definition zu formulieren, versteht die Ausstellung Freiheit als Spannungsfeld – zwischen Individuum und Kollektiv, Autonomie und Abhängigkeit, Möglichkeit und Begrenzung – und macht diese Spannungen durch gestaltete Dinge sichtbar.
Die Ausstellung gliedert sich in drei miteinander verbundene Teile:
1) In Zusammenarbeit mit USM entwickeln die eingeladenen und beauftragten Gestalter*innen Fatma Cankaya, Mawuto Dotou und Johanna Seelemann neue Arbeiten, die Freiheit untersuchen, indem sie ein industrielles Ordnungssystem als Ausgangspunkt neu interpretieren. Den Fellows wurde ein Budget sowie Material aus dem meistverkauften Regalsystem von USM zur Verfügung gestellt. Darüber hinaus erhielten sie Einblicke in die Produktionsstätten des Unternehmens. Innerhalb dieser Rahmenbedingungen sind sie frei, das Möbelsystem zu manipulieren, anzupassen, zu dekonstruieren oder anderweitig neu zu interpretieren – entsprechend ihrer jeweiligen Perspektiven, Werte und Lesarten.
2) Ein internationaler Open Call lädt Designer*innen, Architekt*innen, Künstler*innen, Marken sowie interdisziplinär arbeitende Praktiker*innen dazu ein, Arbeiten einzureichen, die Freiheit und Gestaltung aus transdisziplinären und angewandten Perspektiven reflektieren. Der Open Call wird von Anton Rahlwes gemeinsam mit der Designkritikerin und Kuratorin Vera Sacchetti kuratiert.
3) Ein sammlungsbezogenes Modul versammelt ausgewählte Objekte des Museums und stellt sie in neue Kontexte. So werden unterschiedliche Facetten von Freiheit als historisch, kulturell und institutionell geprägtes Konzept erfahrbar. Jede*r Sammlungsleiter*in des Museum Angewandte Kunst, sowie der Direktor und zwei kuratorische Volontär:innen, entwickeln jeweils eine bis zwei eigene kuratierte Position.
Darüber hinaus erweitert ein unabhängiger Reader, herausgegeben und publiziert von Anton Rahlwes und Nina Sieverding, den Diskurs um weitere schriftliche Beiträge zum Thema.
Die Ausstellungsszenografie verbindet die einzelnen Elemente durch einen übergreifenden konzeptionellen Rahmen, entwickelt und gestaltet von Anton Defant und Lotti Defant. Die visuelle Identität sowie die grafische Kommunikation des Projekts werden von Autostrada Studios verantwortet.
Zentral für den Ansatz des Fellowship ist die Überzeugung, dass Inhalt und Form seiner Vermittlung untrennbar miteinander verbunden sind. Ausstellungsgestaltung, Grafikdesign, Publikation, kuratorische Praxis und die gezeigten Positionen werden als gleichwertige Beiträge zur Bedeutungsproduktion verstanden. Klare Kommunikation, Transparenz und die sichtbare Autor*innenschaft aller Beteiligten sind daher integraler Bestandteil des Verständnisses und der Praxis von Zusammenarbeit, Wissensproduktion und öffentlichem Diskurs innerhalb des Fellowship.
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