Pos. 46
Blister (Zafrilla, 2 mg Tabletten), 2026
Kuratiert von Mahret Ifeoma Kupka, Kuratorin für Mode, Körper und Performatives am Museum Angewandte Kunst
Bitte nicht berühren.
Der Blister eines hormonellen Medikaments wird hier als alltägliches, zugleich hoch reguliertes Objekt sichtbar. Der enthaltene Wirkstoff gehört zur Gruppe der Gestagene, synthetischen Varianten des körpereigenen Hormons Progesteron. Er greift in den Zyklus ein, hemmt den Eisprung und beeinflusst das Wachstum der Gebärmutterschleimhaut. Eingesetzt wird er unter anderem zur Verhütung, bei zyklusbedingten Beschwerden sowie zur Behandlung von Endometriose.
Endometriose ist eine chronische Erkrankung, die schätzungsweise 10–15 % der Menschen betrifft, die einen Uterus haben. Dabei wächst Gewebe, das der Gebärmutterschleimhaut ähnelt, außerhalb des Uterus und kann Entzündungen, Verwachsungen und starke Schmerzen verursachen. Für viele Betroffene ist der Alltag dadurch erheblich eingeschränkt. Dennoch dauert es häufig Jahre, bis eine Diagnose gestellt wird. Neben medizinischen Faktoren spielt dabei auch eine kulturelle Prägung eine Rolle: Schmerzen im Zusammenhang mit der Menstruation werden oft als „normal“ eingeordnet und nicht weiter hinterfragt.
Die Behandlung erfolgt individuell und reicht von operativen Eingriffen bis zu hormonellen Therapien wie Zafrilla, die den Zyklus unterdrücken und das Wachstum des Gewebes hemmen. Eine Heilung ist derzeit nicht möglich, doch viele Behandlungen können Symptome lindern und Lebensqualität zurückgeben.
Im Kontext von Gestaltung stellt sich hier die Frage, wie medizinisches Wissen vermittelt und ästhetisch gerahmt wird. Verpackungen, Beipackzettel und visuelle Codes suggerieren Objektivität und Neutralität, während die medizinische Praxis zugleich von gesellschaftlichen Annahmen geprägt ist – etwa in Bezug auf Geschlecht, Schmerz oder Normalität. So zeigt das Objekt, wie Vorstellungen von Gesundheit und Körper nicht nur biologisch, sondern auch kulturell und gestalterisch produziert werden, und wie diese wiederum Handlungsspielräume eröffnen oder einschränken können.
Pos. 46
Blister (Zafrilla, 2 mg Tabletten), 2026
Kuratiert von Mahret Ifeoma Kupka, Kuratorin für Mode, Körper und Performatives am Museum Angewandte Kunst
Bitte nicht berühren.
Der Blister eines hormonellen Medikaments wird hier als alltägliches, zugleich hoch reguliertes Objekt sichtbar. Der enthaltene Wirkstoff gehört zur Gruppe der Gestagene, synthetischen Varianten des körpereigenen Hormons Progesteron. Er greift in den Zyklus ein, hemmt den Eisprung und beeinflusst das Wachstum der Gebärmutterschleimhaut. Eingesetzt wird er unter anderem zur Verhütung, bei zyklusbedingten Beschwerden sowie zur Behandlung von Endometriose.
Endometriose ist eine chronische Erkrankung, die schätzungsweise 10–15 % der Menschen betrifft, die einen Uterus haben. Dabei wächst Gewebe, das der Gebärmutterschleimhaut ähnelt, außerhalb des Uterus und kann Entzündungen, Verwachsungen und starke Schmerzen verursachen. Für viele Betroffene ist der Alltag dadurch erheblich eingeschränkt. Dennoch dauert es häufig Jahre, bis eine Diagnose gestellt wird. Neben medizinischen Faktoren spielt dabei auch eine kulturelle Prägung eine Rolle: Schmerzen im Zusammenhang mit der Menstruation werden oft als „normal“ eingeordnet und nicht weiter hinterfragt.
Die Behandlung erfolgt individuell und reicht von operativen Eingriffen bis zu hormonellen Therapien wie Zafrilla, die den Zyklus unterdrücken und das Wachstum des Gewebes hemmen. Eine Heilung ist derzeit nicht möglich, doch viele Behandlungen können Symptome lindern und Lebensqualität zurückgeben.
Im Kontext von Gestaltung stellt sich hier die Frage, wie medizinisches Wissen vermittelt und ästhetisch gerahmt wird. Verpackungen, Beipackzettel und visuelle Codes suggerieren Objektivität und Neutralität, während die medizinische Praxis zugleich von gesellschaftlichen Annahmen geprägt ist – etwa in Bezug auf Geschlecht, Schmerz oder Normalität. So zeigt das Objekt, wie Vorstellungen von Gesundheit und Körper nicht nur biologisch, sondern auch kulturell und gestalterisch produziert werden, und wie diese wiederum Handlungsspielräume eröffnen oder einschränken können.
All rights reserved 2026
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