Pos. 43
Edition Suhrkamp, 2010
36 Bände, 7513 Seiten
Papier
Kuratiert von Grit Weber, Kuratorin für Design, Kunst und Medien und stellvertretende Direktorin am Museum Angewandte Kunst
Berühren erlaubt.
Taschenbücher sind kleinformatige und kostengünstige Buchtypen. Mit ihrer Verbreitung ab den 1950er-Jahren wird der Zugang zu wissenschaftlichen Texten und Literatur für viele Leser*innen erschwinglicher. Der Zugang zu Wissen ist ein prägendes Element für demokratische Gesellschaften, vor allem, wenn die Texte sozialanalytische und gesellschaftskritische Inhalte verhandeln. Dass dieser Zugang auch ein ästhetisches Ereignis sein kann, belegen die unzähligen Ausgaben der Edition Suhrkamp.
Der Verleger Sigfried Unseld (1924–2002), dessen NSDAP-Mitgliedschaft erst 2025 öffentlich diskutiert wurde, übernahm nach dem Tod von Peter Suhrkamp 1959 den Verlag. Gemeinsam mit dem Gestalter Willy Fleckhaus (1925–1983) entwickeln sie ab 1963 das Konzept für die Edition Suhrkamp: zeitgenössische Literatur möglichst als Erstausgabe auf den deutschen Buchmarkt zu bringen und dabei in Schrift, Struktur und Farbe ein klares Erscheinungsbild zu erschaffen. Das Titelblatt zeigt in seiner unteren Hälfte acht horizontale Linien. Dazwischen, in Garamond-Type der gleichen Schriftgröße, erscheinen der Name des Autors oder der Autorin, der Buchtitel und der Verlagsname. Auf dem Rücken steht darüber hinaus die fortlaufende Nummer der Publikation. Das sinnlichste Element ist aber das Farbspektrum. Willy Fleckhaus arbeitet hier mit der regenbogenartigen Abfolge eines Druckfarbenfächers. Je nach Reihenfolge des Erscheinungsdatums folgt die nächste Farbe. Chronologisch in einem Regal zusammengestellt, leuchten die Ausgaben im Farbverlauf von Dunkelviolett über alle Nuancen von Rot, Orange, Gelb und Grün bis hin zu Blau, um im Folgenden wieder beim Dunkelviolett anzukommen, von wo aus das Farbspiel seinen neuen Lauf nehmen kann. Nicht nur ein einzelnes Buch, sondern eine ganze Bibliothek wird gestaltet.
Artikel 5 des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland schützt die Meinungs-, Informations- und Pressefreiheit sowie die Freiheit von Kunst, Lehre und Wissenschaft. Neben Artikel 1 zur Unantastbarkeit der Menschenwürde ist er einer der substanziellsten und gleichzeitig schönsten, weil inspirierendsten Paragrafen in der Verfassung der Bundesrepublik. Kuratorin Grit Weber entschied sich jedoch an dieser Stelle, statt einer gebundenen Ausgabe des Grundgesetzes die Edition Suhrkamp zu zeigen – als ästhetisch greifbares Bild des ansonsten recht abstrakt bleibenden Artikel 5. Die Beschränkung auf scheinbar einfache Gestaltungsprinzipien öffnet einen ideellen Raum und verweist auf das breite Spektrum der Gedanken.
Pos. 43
Edition Suhrkamp, 2010
36 Bände, 7513 Seiten
Papier
Kuratiert von Grit Weber, Kuratorin für Design, Kunst und Medien und stellvertretende Direktorin am Museum Angewandte Kunst
Berühren erlaubt.
Taschenbücher sind kleinformatige und kostengünstige Buchtypen. Mit ihrer Verbreitung ab den 1950er-Jahren wird der Zugang zu wissenschaftlichen Texten und Literatur für viele Leser*innen erschwinglicher. Der Zugang zu Wissen ist ein prägendes Element für demokratische Gesellschaften, vor allem, wenn die Texte sozialanalytische und gesellschaftskritische Inhalte verhandeln. Dass dieser Zugang auch ein ästhetisches Ereignis sein kann, belegen die unzähligen Ausgaben der Edition Suhrkamp.
Der Verleger Sigfried Unseld (1924–2002), dessen NSDAP-Mitgliedschaft erst 2025 öffentlich diskutiert wurde, übernahm nach dem Tod von Peter Suhrkamp 1959 den Verlag. Gemeinsam mit dem Gestalter Willy Fleckhaus (1925–1983) entwickeln sie ab 1963 das Konzept für die Edition Suhrkamp: zeitgenössische Literatur möglichst als Erstausgabe auf den deutschen Buchmarkt zu bringen und dabei in Schrift, Struktur und Farbe ein klares Erscheinungsbild zu erschaffen. Das Titelblatt zeigt in seiner unteren Hälfte acht horizontale Linien. Dazwischen, in Garamond-Type der gleichen Schriftgröße, erscheinen der Name des Autors oder der Autorin, der Buchtitel und der Verlagsname. Auf dem Rücken steht darüber hinaus die fortlaufende Nummer der Publikation. Das sinnlichste Element ist aber das Farbspektrum. Willy Fleckhaus arbeitet hier mit der regenbogenartigen Abfolge eines Druckfarbenfächers. Je nach Reihenfolge des Erscheinungsdatums folgt die nächste Farbe. Chronologisch in einem Regal zusammengestellt, leuchten die Ausgaben im Farbverlauf von Dunkelviolett über alle Nuancen von Rot, Orange, Gelb und Grün bis hin zu Blau, um im Folgenden wieder beim Dunkelviolett anzukommen, von wo aus das Farbspiel seinen neuen Lauf nehmen kann. Nicht nur ein einzelnes Buch, sondern eine ganze Bibliothek wird gestaltet.
Artikel 5 des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland schützt die Meinungs-, Informations- und Pressefreiheit sowie die Freiheit von Kunst, Lehre und Wissenschaft. Neben Artikel 1 zur Unantastbarkeit der Menschenwürde ist er einer der substanziellsten und gleichzeitig schönsten, weil inspirierendsten Paragrafen in der Verfassung der Bundesrepublik. Kuratorin Grit Weber entschied sich jedoch an dieser Stelle, statt einer gebundenen Ausgabe des Grundgesetzes die Edition Suhrkamp zu zeigen – als ästhetisch greifbares Bild des ansonsten recht abstrakt bleibenden Artikel 5. Die Beschränkung auf scheinbar einfache Gestaltungsprinzipien öffnet einen ideellen Raum und verweist auf das breite Spektrum der Gedanken.
All rights reserved 2026
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